Vorlesung im Kino im Wintersemester 2019/20

Vorlesung im Kino (WS 2019/20)

Kollekte und Kollektiv? Entwicklungslinien des Films der 1950er und 60er Jahre in DDR und BRD
Vorlesung im Kino im Wintersemester 2019/20
Foto: Jonas Erler

Meldung vom: 01. Oktober 2019, 15:08 Uhr

Kollekte und Kollektiv? Entwicklungslinien des Films der 1950er und 60er Jahre in DDR und BRD

Die unmittelbare Nachkriegszeit (1945-1950) lässt sich als ein demokratischer Aufbruch im bildpolitischen Sinn beschreiben, in dem die äußerst heterogenen Muster und Motive entstehen und umkämpft sind, in denen sich später an Krieg und Nachkrieg erinnert wird. Dagegen gilt die Zeit der 1950er Jahre als Zeit der Restauration: Die Amerikanisierung des Westens und die Stalinisierung des Ostens, so sagt man, führten zu Verkrustungen und Erstarrungen des eben noch so beweglichen kulturellen Lebens: Wird die DEFA auf den sozialistischen Realismus eingeschworen, als dessen Höhepunkt Kurt Maetzigs Ernst Thälmann-Filme gelten, so versinkt der Westen im belanglosen Eskapismus, dem erst das Oberhausener Manifest mit seinem Slogan "Opas Kino ist tot" den Gar ausmachen konnte.

Die Vorlesung will diese hartnäckigen Klischees bearbeiten und quer zu den gängigen Zuschreibungen die kinematographische Landschaft der 1950er und frühen 1960er Jahre in Genre- und Zeitfilmen, aber auch in Dokumentar- und Kulturfilmen untersuchen. Schwerpunkt wird dabei die Frage dem Verhältnis von Individuum und den sich neu bildenden und konsolidierenden Gesellschaften in Ost und West sein. Zugleich soll es aber auch um die Darstellung und Herstellung der Geschlechterverhältnisse gehen: Gilt etwa für die unmittelbare Nachkriegszeit die Formel, dass die Klassen- von der Geschlechterfrage abgelöst wird, so steht diese These in den Folgejahren wieder infrage, obwohl 1951 Simone de Beauvoirs Das andere Geschlechtauf deutsch erscheint. Nicht zuletzt soll auch die Inszenierung des Ost-West-Verhältnisses in ost- und westdeutschen Produktionen eine Rolle spielen.

So fragt die Vorlesung nach dem Umgang der genannten Themen und Motive in den Filmen: Unterscheiden sich dabei zeitbezogene Spielfilme von Genrefilmen und fiktives material von dokumentarischem? Bedenkt man, dass das Kino in den beiden Deutschlands in den 1950er Jahren quantitativ die zentrale Rolle im Kulturleben spielt, fragt sich inwieweit die Filme selbst die oben beschriebenen Diskurse bestimmen oder gar hervorbringen. Gezeigt werden west- und ostdeutsche Heimatfilme, Melodramen, die sehr beliebten Familienfilme, aber auch Experimental- und Dokumentarfilme der Zeit. Schließlich wird es um die Frage gehen, inwieweit die 1960er Jahre eine filmästhetische und -politische Zäsur darstellen.

Plakat [pdf, 10 mb]

Flyer [pdf, 10 mb]

Kollekte und Kollektiv - Vorlesung im Kino im WS 19/20 - Teil 1 Foto: Jonas Erler
Kollekte und Kollektiv - Vorlesung im Kino im WS 19/20 - Teil 2 Foto: Jonas Erler
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